
„Protected Bike Lane“ in Mönchengladbach muss abgebaut werden
Stand: 26.02.2025, 19:50 Uhr
Die Stadt Mönchengladbach muss die "Protected Bike Lane" auf einer Allee abbauen. Das hat das Verwaltungsgericht entschieden.
Von Thomas Kalus
Die Hohenzollernstraße ist eine breite, vierspurige Allee im Zentrum von Mönchengladbach. Und sie ist eine der wichtigsten Alltagsrouten für den Fahrradverkehr. Um das Radfahren dort sicherer zu machen, hat die Stadt dort im Sommer 2023 eine sogenannte „Protected Bike Lane“ eingerichtet – einen geschützten Radweg, den ersten seiner Art in der Stadt.
Geschützter Radweg sollte zu schmale Radwege ersetzen
Konkret wurde jeweils eine von zwei Auto-Fahrspuren pro Richtung für den Radverkehr umgewidmet. Zum Schutz der Radfahrer wurden flache Klebebordsteine aus Beton als bauliche Trennung zum motorisierten Verkehr angebracht.
Zwar gab es zu diesem Zeitpunkt bereits alte Radwege in beiden Richtungen. Diese waren aber nicht nur in einen schlechten Zustand, sondern auch nach heutigen Maßstäben zu klein. Sie konnten auch aufgrund des Baumbestandes nicht vergrößert werden.
„Protected Bike Lane“ sorgte von Anfang an für Ärger
Nach der Einrichtung der „Protected Bike Lane“ gab es von Anfang Pro und Contra. Kaum ein Verkehrsprojekt war in letzter Zeit so umstritten. Die Befürworter lobten das Projekt als fortschrittlich und als wichtigen Eckpfeiler für die notwendige Verkehrswende. Kritiker verneinten den Bedarf für den geschützten Radweg.

Die Klebebordsteine haben für viele Unfälle in Mönchengladbach gesorgt
Außerdem sorgten die Klebebordsteine zu Beginn für eine Reihe von Unfällen: Autofahrer übersahen sie schlichtweg, fuhren darüber hinweg und holten sich Schäden an ihren Reifen und Karosserien. Erst als vor den Bordsteinen rot-weiße Warnbaken aufgestellt wurden, gab es keine Unfälle mehr.
Gericht verpflichtet Stadt zum Abbau des Radwegs
Nun hat die 6. Kammer des Düsseldorfer Verwaltungsgerichts die Stadt Mönchengladbach verpflichtet, die „Protected Bike Lane“ auf der Hohenzollernstraße innerhalb von drei Wochen zu entfernen. Damit gab das Gericht dem Eilantrag eines Bürgers statt. Die Richter begründeten die Entscheidung damit, dass es auf der vierspurigen Straße bereits abgetrennte Radwege gibt.
Außerdem zweifelten sie an, dass die notwendigen Voraussetzungen zur Umwandlung eines Auto-Fahrstreifens in einen Radweg vorlagen. Und schließlich seien die Klebebordsteine nicht in Einklang mit der Straßenverkehrsordnung.
Stadt prüft Beschwerde vor Oberverwaltungsgericht
Die Stadt Mönchengladbach prüft nun, ob eine Beschwerde vor dem Oberverwaltungsgericht erfolgreich sein könnte, sagte Stadtsprecher Tim Irion dem WDR. Dafür hat die Stadt zwei Wochen Zeit. Außerdem überlegt sie, wie die Radspur auf der Hauptverkehrsstraße so verändert werden kann, dass sie weiter bestehen bleibt. Möglich wäre etwa, die laut Gericht nicht zulässigen Klebebordsteine abzubauen, und den Radweg farblich zu kennzeichnen.
Stadt bedauert Gerichtsbeschluss
Die Stadt bedauert den Beschluss des Düsseldorfer Verwaltungsgerichtes. Schließlich sei mit der „Protected Bike Lane“ der vorhandene Radverkehr an dieser Stelle deutlich sicherer geworden. Zugleich seien damit die Grundlagen für eine langfristige Steigerung des Radverkehrs gelegt worden, so Sprecher Tim Irion. Eine Auswertung der Verwaltung zeige, dass das Radverkehrsaufkommen dort innerhalb des ersten Jahres um gut 30 Prozent gestiegen sei.
Unsere Quellen:
- Stadt Mönchengladbach, Sprecher Tim Irion
- Verwaltungsgericht Düsseldorf