Amateurfußball als Investoren-Spielball

Stand: 26.03.2025, 12:50 Uhr

Der beliebteste Sport der Deutschen zieht auch immer wieder Sponsoren mit großen Plänen an. Dass diese Finanzspritzen oft nicht nachhaltig sind, haben auch schon einige Klubs in NRW erlebt.

Der Deutschen liebstes Kind, der Fußball, zieht immer wieder Sponsoren an, deren finanzielles Engagement die auserwählten (Amateur-) Vereine zunächst einen Höhenflug erleben lassen. Doch oft ist diese Höhenluft nicht sonderlich nachhaltig - und die Klubs erleben einen ungebremsten Absturz, der nicht selten im Totalcrash endet.

Wenn der Sponsor die Lust verliert oder ihm das Geld ausgeht, dann ist es ganz schnell vorbei mit den Überfliegern ihrer Ligen. Hierzulande können einige Klubs über Sponsoren berichten, die zuerst den Himmel versprachen und die den Klub in der harten Realität haben aufschlagen lassen.

Das bekannte Beispiel um den offenbar vor der Insolvenz stehenden KFC Uerdingen ist nur die Spitze des Eisbergs.

Rückzug im März: Türkspor Dortmund

Vor diesem Hintergrund lohnt sich ein Blick in die Regionalliga West: Dort zog sich Türkspor Dortmund Mitte März zurück. Der vor acht Jahren in der Kreisliga B dank Mäzen begonnene Aufstieg endete völlig abrupt. "Der Verein ist sehr, sehr weit von einer Insolvenz entfernt", betonte Türkspors Geschäftsstellenleiter Seyhan Adigüzel den "Ruhr Nachrichten". Allerdings sei jeder Spieltag ein Minusgeschäft gewesen. Trotzdem will man in der Oberliga einen neuen Anlauf wagen.

Auf Nachhaltigkeit ist der Erfolg selten ausgelegt. Nachwuchsarbeit und Infrastruktur bleiben meistens auf der Strecke, die Bedeutung der Vereine kann überhaupt nicht mit der sportlichen Entwicklung mithalten. Eine Refinanzierung ist ohnehin erst in der 2. Bundesliga möglich, wenn hohe TV-Gelder fließen. Es braucht einen langen Atem.

Hohkeppel entlässt Spieler

Ein paar Plätze über Türkspor steht in der Tabelle der SV Eintracht Hohkeppel. 2014 kickte man noch in der Kreisliga A, zehn Jahre später sollte auch die Regionalliga nur eine Durchgangsstation sein. "Für uns hat sich nur die Liga geändert. Das Ziel bleibt gleich: Wir wollen wieder aufsteigen, diesmal in die 3. Liga", sagte Sportdirektor Kevin Theißen vor der Saison zu "Reviersport".

Mit ehemaligen Bundesliga-Profis wie Richard Sukuta-Pasu und dem Geld des seit 40 Jahren zum Verein gehörenden Investors Hakan Ekmen sollte das gelingen. Es lief aber nicht so richtig rund. Und so warf man bereits Anfang Oktober 2024 sechs Spieler, darunter Sukuta-Pasu, kurzerhand wieder raus.

Der Aufstieg ist derzeit nicht mal mehr rechnerisch möglich und der Klub dürfte froh sein, wenn man die Klasse hält. Heißt aber nur, dass man den erneuten Klassenwechsel dann eben nächste Saison schaffen will.

Düren meldet Insolvenz an

Gespielt wird übrigens im 80 Kilometer entfernten Düren, das eigene Achim Lammers Waldstadion ist noch untauglich für die Regionalliga.

Der dort beheimatete 1. FC Düren meldete indes Ende der vergangenen Woche Insolvenz an - der Präsident, der inzwischen als Landrat des Kreises suspendiert ist, weist vehement den Verdacht zurück, in einen Schleuserskandal verwickelt zu sein.

Die Behauptung, der Vereinschef habe in irgendeiner Form profitiert, bezeichnete dessen Anwalt als Verfolgungslyrik der Staatsanwaltschaft.

Straelen nach Ära Tecklenburg zurück im Kreis

Mäzen weg, Club weg. Das galt auch für den SV Straelen. Unterstützt vom bereits 1978 eingestiegenen Bauunternehmer Hermann Tecklenburg, hielt sich der Verein lange im Bereich Verbandsliga, Oberliga, Regionalliga auf. Nach Insolvenz und Rückzug Tecklenburgs ist man wieder da, wo man jahrzehntelang vor dessen Einstieg war: auf Kreisebene.

Mitte März wurde eine Anklage gegen Tecklenburg wegen angeblicher Schwarzgeldzahlungen zugelassen. Er sehe der Sache gelassen entgegen, sagte Tecklenburg der "Rheinischen Post". "An den Vorwürfen wird schon was dran sein", räumte er ein und fügte hinzu: "Zahlen kann ich nix – ich bin ja pleite. Bei mir ist nichts mehr zu holen."

Einem besonderen Regelwerk muss ein Investor übrigens nicht folgen, steigt er im Amateurfußball ein.