O-Ton Margot Friedländer und Schalte mit Susanne Wieseler auf der Westfälischen Friedenskonferenz
03:30 Min.. Verfügbar bis 04.04.2027.
Westfälische Friedenskonferenz in Münster: Sehnsucht nach Frieden
Stand: 04.04.2025, 18:30 Uhr
Die Westfälische Friedenskonferenz ist mit der Hoffnung auf ein geeintes und starkes Europa in Krisenzeiten zu Ende gegangen.
Von Petra Brönstrup
Die ganztägige Konferenz im historischen Rathaus von Münster hatte bereits am Morgen ihren ersten Höhepunkt: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zeichnete Margot Friedländer mit dem Sonderpreis des Westfälischen Friedens aus.
Mission des "Nie wieder!"
Steinmeier würdigte Friedländers unermüdliches Engagement gegen das Vergessen, für Menschlichkeit und Toleranz, für Frieden und Demokratie.

Eintrag ins Goldene Buch der Stadt: Der Bundespräsident mit Margot Friedländer
Mit allerhöchstem Respekt und in Demut verneigen wir uns vor Ihrem Engagement, mit dem Sie unablässig für das Zusammenleben der Verschiedenen in unserem Gemeinwesen werben, Vorurteile und Ressentiments bekämpfen. Frank-Walter Steinmeier
Laudatio für Margot Friedländer
"Sie helfen uns nicht nur, uns zu erinnern. Sie klären auf, was Deutschland vor 1933 in den Abgrund geführt hat", sagte Steinmeier. Margot Friedländer sei täglich unterwegs für Ihre Mission des "Nie wieder!" Dafür dankte der Bundespräsident der Holocaust-Überlebenden Friedländer.

Margot Friedländer und Oberbürgermeister Markus Lewe auf dem Rathausbalkon
Die 103-Jährige hatte als einzige in ihrer Familie die Schoah, den Holocaust überlebt. Als eine der letzten Zeitzeugen ist sie fast täglich unterwegs, berichtet jungen Menschen von den Greueltaten der Nazis, kämpft gegen Antisemitismus und Demokratiefeindlichkeit.
Friedländer sieht jeden Einzelnen in der Verantwortung
Margot Friedländer freute sich sehr. "Es bedeutet mir sehr viel, diese besondere Auszeichnung in der Stadt des Westfälischen Friedens zu erhalten", sagte Friedländer. Und an das Publikum im Rathaus in Münster gewandt:
Es ist die Aufgabe eines jeden von uns, sich für ein friedliches Zusammenleben, Respekt und Demokratie einzusetzen. Denn das, was damals geschehen ist, darf nie wieder geschehen. Margot Friedländer
bei der Entgegennahme des Preises in Münster
Der Sonderpreis des Westfälischen Friedens ist mit 50.000 Euro dotiert. Das Geld soll der Margot Friedländer Stiftung zugute kommen. Friedländer hatte die Stiftung im Jahr 2023 gegründet, auch um sicherzustellen, dass nach ihrem Tod die Arbeit für Freiheit, Toleranz und Demokratie weitergehen kann.
"Wir müssen reden"
Die Westfälische Friedenskonferenz fand zum zweiten Mal statt. Veranstalter war die Wirtschaftliche Gesellschaft für Westfalen und Lippe (WWL). Sie verleiht seit 1998 alle zwei Jahre den Internationalen Preis des Westfälischen Friedens, seit 2023 gibt es zusätzlich die Westfälische Friedenskonferenz.

Internationaler Preis des Westfälischen Friedens
Damit will die WWL Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft ein Forum bieten, sich über wichtige Fragen von Krieg und Frieden in Europa auszutauschen. Bei der ersten Friedenskonferenz 2023 stand der russische Angriff auf die Ukraine im Jahr zuvor im Mittelpunkt. Bis heute ist kein Ende dieses Krieges in Sicht.
Bei der Konferenz in diesem Jahr ging es um die weiteren Folgen: das Auseinanderdriften der westlichen Partner USA und Europa und die daraus resultierende Frage nach einer eigenständigen Verteidigungsfähigkeit der europäischen Staaten. "Wir müssen reden" hatte der WWL-Vorsitzende Reinhard Zinkann eingangs gesagt.
Kritik an neuer US-Regierung
Auf die aktuelle Krise ging auch Steinmeier in seiner Eröffnungsrede ein. Er kritisierte die US-Regierung unter Präsident Donald Trump für ihre Abkehr von einstigen Bündnissen scharf. "Es ist bestürzend zu sehen, wie die neue US-Administration in rascher Folge die bisher als sicher und verbindlich geltenden Regeln und Prinzipien unserer transatlantischen Partnerschaft angreift", erklärte der Bundespräsident auf der Westfälischen Friedenskonferenz.
Doch statt den Kopf in den Sand zu stecken, seien jetzt Mut und Stärke gefragt, meinte Steinmeier.
Und alles beginnt damit, dass wir uns nicht ständig selbst in eine randständige Rolle am Katzentisch der Weltbühne hineinreden, dass wir uns auch nicht ständig selbst unterschätzen, dass wir Defizite kennen, sie beschreiben, abhelfen." Frank-Walter Steinmeier
Eröffnungsrede
Hilferuf der belarussischen Oppositionsführerin
Bleibenden Eindruck bei den rund 400 Konferenz-Teilnehmenden hinterließ auch die belarussische Oppositionsführerin Swjatlana Zichanouskaja. Ihr Ehemann Sergej sei Opfer des Lukaschenko-Regimes geworden. Er sitze seit fünf Jahren in Haft. Seit zwei Jahren habe sie nichts mehr von ihm gehört. Sie wisse nicht, ob ihr Mann überhaupt noch lebt.

Die belarussische Oppositionelle Swjatlana Zichanouskaja zeigt ein Bild ihres inhaftierten Mannes
So wie ihm ergehe es hunderten Anhängern der Freiheitsbewegung, hunderttausende Menschen hätten Belarus verlassen. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes geht das Regime mit präzedenzloser Repression gegen die Zivilgesellschaft und unabhängige Medien vor. Ein Großteil zivilgesellschaftlicher Organisationen sei zwangsweise aufgelöst worden, einige arbeiteten aus dem Exil weiter.
Dazu gehört auch Swjatlana Zichanouskaja. Sie lebt seit fast fünf Jahren in Litauen. Auf der Westfälischen Friedenskonferenz bat sie um Unterstützung für die Freiheitsbewegung in ihrem Heimatland Belarus. Wie die Menschen in der Ukraine fürchten sie den Aggressor Russland. Sie fühlen sich Europa und seinen demokratischen Mitgliedstaaten zugehörig.
Politische Prominenz aus ganz Europa

Margus Tsahkna, Außenminister Estlands, im Gespräch mit Moderatorin Eva Lindenau
An der Westfälischen Friedenskonferenz in diesem Jahr nahmen viele internationale Politiker teil, darunter der Außenminister von Estland, Magnus Tsahkna. Er kam direkt vom NATO-Außenministertreffen in Brüssel. Er habe den Eindruck, dass Europa den Weckruf gehört habe und nun beginnt, sich um seine Sicherheit selbst zu kümmern, erklärte Tsahkna in Münster.
Außerdem waren dabei: Polens Vize-Außenminister Marek Prawda, die frühere französische Verteidigungsministerin Sylvie Goulard und der frühere deutsche Außenminister Joschka Fischer. Auch NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst war dabei. Die politische Leitung der Friedenskonferenz hatte der frühere NRW-Ministerpräsident und Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD).
Nach acht Stunden Debatte zeigte sich WWL-Chef Reinhard Zinkann optimistisch in Bezug auf die schwierige politische Weltlage: "Europa kann zusammenrücken, Europa wird zusammenrücken, auch wenn es hin und wieder schwierig sein wird." Das habe diese Konferenz gezeigt.
Strenge Sicherheitsvorkehrungen

Zuschauermenge am Prinzipalmarkt
Das historische Rathaus in Münster, wo die Westfälische Friedenskonferenz stattfand und auch der Platz davor, der Prinzipalmarkt, waren aus Sicherheitsgründen den ganzen Tag lang für die Öffentlichkeit gesperrt. Aber es gab immer wieder Menschen hinter den Absperrgittern, die hofften, einen der prominenten Gäste zu sehen. Die Friedenskonferenz endet mit einem Dinner im LWL-Museum für Kunst und Kultur in der Nähe des Rathauses.
Westfälische Friedenskonferenz in Münster: Sehnsucht nach Frieden
Lokalzeit Münsterland. 04.04.2025. 03:14 Min.. Verfügbar bis 04.04.2027. WDR. Von Antje Kley.
Unsere Quellen:
- WDR-Reporterin vor Ort
- Wirtschaftliche Gesellschaft für Westfalen und Lippe
- Stadt Münster
- Polizei Münster