Das Abbruchunternehmen hatte am 7. Februar eine Probesprengung durchgeführt. Die Firma wollte wissen, wie das im Kesselhaus verbaute Material reagiert. Dabei habe sich herausgestellt, dass "durch eine einmalige Sprengung nicht gewährleistet werden kann, das massive Bauwerk zu hundert Prozent kontrolliert zu Fall zu bringen", schreibt das Unternehmen in einer Pressemitteilung am Mittwoch (19.02.2025).
Keinesfalls werden wir vermeidbare Risiken eingehen. Jens Hofmann
Hagedorn Unternehmensgruppe
Das Abbruchunternehmen muss deshalb seine Strategie ändern. Mit einer ersten Sprengung soll ein Keil aus dem Kesselhaus herausgelöst werden, um dann bei einer zweiten Sprengung das Gebäude sicher und kontrolliert zum Einsturz zu bringen. Noch ist nicht klar, wann genau das passieren soll. Jedenfalls nicht wie ursprünglich geplant am 9. März.
Terminverschiebung kam für alle überraschend
Für die Nachbarn, die im Sicherheitsbereich rund um das Kraftwerk wohnen, kam die Absage überraschend. Viele haben die Kohle für das Kraftwerk als Kumpel der benachbarten Zeche noch selbst aus der Tiefe gefördert, kennen den Umgang mit Sprengstoff. Sie sind gespannt auf die Sprengung in ihrer Nachbarschaft.
Das Kesselhaus ist 120 Meter hoch. Bei der Sprengung soll der Koloss wie ein wackeliger Stuhl zu Boden gehen. So der Plan von Sprengmeister Andrè Schewcow. Erst vor wenigen Tagen gab es für die Anwohner eine Informationsveranstaltung. Dort war durchaus Skepsis in den Gesichtern der Kraftwerks-Anwohner zu beobachten. Aber auch Zustimmung. "Die werden das schon richtig machen", so der Tenor.
Leben im Schatten des Kraftwerks
Die Menschen auf dem Ibbenbürener Schafberg kennen sich, vom gemeinsamen Leben im Schatten des Kohlekraftwerks. Doch die weithin sichtbare Landmarke ist bald Geschichte: zu Gunsten der Klimawende.
2021 wurde das Kraftwerk vorzeitig stillgelegt - nachdem RWE noch viele Millionen Euro in die Modernisierung gesteckt hatte. Aber "Weiterbetrieb mit billiger Importkohle bis 2038", das hat sich erledigt. Das Kraftwerk macht Platz für einen riesigen Konverter. Der macht dann Windstrom aus der Nordsee zu Haushaltsstrom, auch für NRW-Haushalte.
"Das ist dann wie fünf nach zwölf bei Silvester: 20 Sekunden wird’s wohl dauern, bis alles explodiert ist." Jens Hofmann, Abbruchunternehmen Hagedorn
Sprengung als Event
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Geplant ist, dass die Anwohner am Tag der Sprengung mit Taxis abgeholt und zur Eventfläche auf dem Kraftwerksgelände gebracht werden. Die Sprengung soll auch gefeiert werden. Zugleich muss die Asylbewerberunterkunft (ZUE) im Schatten des Kühlturms geräumt werden. Die mehreren hundert Asylbewerber sollen vorübergehend in einer Turnhalle untergebracht werden. An diesen Plänen hat sich bisher nichts geändert.
Asbest im Kühlturm
Den ursprünglichen Plänen zufolge soll der Kühlturm nach dem gesprengten Kesselhaus zu Boden gehen. Nachdem Stahlseile ihm quasi die Füße weg gerissen haben. "Der wird nicht gesprengt, weil sonst Asbest freigesetzt würde", erklärt Jens Hofmann vom Abbruchunternehmen Hagedorn den Wechsel zum Abriss ohne Sprengstoff. "Aber das wird trotzdem spektakulär, nur ohne Explosionsknall."
Schäden übernimmt die Abbruchfirma
"Und was ist mit den Erschütterungen im Boden?", fragte ein besorgter Anwohner auf der Informationsveranstaltung Mitte Februar. Die Antwort befand sich in einem roten Koffer. "Das sind Erschütterungsmessgeräte. Davon werden wir 20 in Gebäuden im gesamten Sperrbereich verteilen." Sollten die Messgeräte dann doch stärker ausschlagen, als erwartet, sollen sie die Regulierung möglicher Bauschäden vereinfachen. "Die Schäden übernimmt dann Hagedorn", so der Chef der Abbruchsparte.
Unsere Quellen:
- WDR-Reporter vor Ort
- Abbruchunternehmen Hagedorn, Gütersloh