Zum Prozessauftakt wollte der 37-Jährige aus Lünen noch keine Aussage machen. Am nächsten Prozesstag sei er aber dazu bereit, hieß es. Angeklagt ist er wegen Beihilfe zum versuchten Mord, zur schweren und zur gefährlichen Körperverletzung.
Am 30. Juni 2024 soll er einen Bekannten mit dem Auto von Bergkamen zum Tatort in Bochum gefahren haben, wohl wissend, dass dort ein Säureangriff geplant war. Er selbst soll im Internet nach Bezugsquellen für Säure gesucht haben.
Angriff mit Schwefelsäure
Nach den Ermittlungen der Polizei ging der Bekannte, ein 43-Jähriger aus Bergkamen, dann mit einer Getränkedose voller Schwefelsäure zum Café „Fräulein Coffea“ unweit des Schauspielhauses. Dort soll er die Flüssigkeit in Richtung eines Gastes geschüttet haben.
Der 30-jährige Student wird im Gesicht getroffen, an der Schulter, im Nacken, er erleidet schwere Verätzungen. Auch andere Gäste bekommen Spritzer ab und werden dadurch verletzt.
Der Angreifer läuft weg, Passanten können ihn aber aufhalten, er wird festgenommen und kommt in Untersuchungshaft. Im Oktober nimmt sich der 43-Jährige im Gefängnis das Leben.
Cafébetreiber sagt aus
Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der schwer verletzte Student ein Zufallsopfer war. Der Täter soll ihn verwechselt haben. Eigentlich habe der Angriff dem Betreiber des Cafés gegolten. Der hat am Mittwoch als erster Zeuge im Prozess ausgesagt.
Am Tattag sei er gar nicht vor Ort gewesen, aber schon zwei Wochen zuvor habe er ein komisches Gefühl gehabt. Da habe er im Umfeld des Cafés auffällige Personen gesehen, mit denen er Jahre zuvor zu tun hatte, zu einer Zeit, als er selber in der Drogenszene aktiv war.
Prozessauftakt Säureangriff Bochum. WDR Studios NRW. 26.02.2025. 00:43 Min.. Verfügbar bis 26.02.2027. WDR Online.
Damals habe er bei einer Razzia "in einer Kurzschlussreaktion" einen damaligen Untermieter, ein Bandido-Mitglied, als Besitzer der Drogen beschuldigt. Der Mann wurde verurteilt, obwohl er seine belastende Aussage später zurückgezogen habe. Er sei dann aus Lünen nach Bochum gezogen und habe dort das Café eröffnet.
Racheakt der Bandidos?
Diese Vorgeschichte ist aus Sicht der Ermittler der Hintergrund für den Säureangriff. Sie sehen die Tat als Racheakt der Bandidos. Offenbar wollte der Angreifer Mitglied der Rockergruppe werden. Deshalb soll er den Auftrag angenommen haben, ein Attentat auf den Betreiber des Cafés zu verüben. Irrtümlich habe er stattdessen den Gast angegriffen.
Der heute 31-jährige Verletzte ist inzwischen mehrfach operiert worden. Laut Anklage muss er auch bei vollständiger Wundheilung mit bleibenden Narben rechnen. Vor Gericht tritt er als Nebenkläger auf. Zum Prozessauftakt ist er am Mittoch aber nicht gekommen. Das Landgericht Bochum hat sechs Verhandlungstage bis Ende März geplant.
Unsere Quellen:
- Polizei Bochum
- Landgericht Bochum
- Reporter vor Ort