Als der Platzwart des Vereins Eving Selimiye Spor Dienstagmorgen auf das Gelände kommt, ist das Schild mit dem Vereinswappen abgerissen. Auf der Rückseite haben der oder die unbekannten Täter die Todesdrohung mit blutroter Farbe geschrieben: "Türke verrecke."
Daneben Hakenkreuze und rechtsextreme Codes, die oft in militanten Neonazimilieus verwendet werden. Sofort ruft der Platzwart die Polizei, der Staatsschutz ermittelt jetzt und ist auf der Suche nach möglichen Zeugen.
Zweiter rassistischer Angriff
In einem ersten Telefonat mit dem WDR zeigt sich der Vorsitzende der Evinger Selimiye-Moscheegemeinde entsetzt. Der Fußballverein gehört zur Gemeinde, sagt Mustafa Sahin. „Hier trainieren 250 bis 300 Kinder in Jugendmannschaften. Sind die in Gefahr? Kommt da was? Müssen wir uns Sorgen um unsere Kinder machen?“, fragt er hörbar verunsichert.
Viele Eltern machen sich große Sorgen. 48 Stunden nach der Wahl so ein Angriff, das sei „schon sehr, sehr bedenklich.“ Sahin fragt sich, ob das mit dem Rechtsruck zusammenhängt. Und sagt dann: „Entsetzlich. Das macht was mit einem.“
Vor drei Jahren habe es schon einmal einen rassistischen Angriff gegen die Gemeinde gegeben. Damals hatten Unbekannte einen Schweinekopf vor das Eingangstor der Moschee gelegt. Viele Gemeindemitglieder seien jetzt wieder sehr besorgt.
Fußball sollte Brücken bauen
Emre Güleç war lange im Dortmunder Integrationsrat aktiv und sitzt jetzt als Abgeordneter für das Bündnis für Vielfalt und Toleranz im Dortmunder Rat. Er sagt, das sei eine eindeutig rassistische und rechtsextreme Bedrohung. Besonders verstörend sei die blutrote Farbe und der rechtsextreme Zahlencode 1488, „der in neonazistischen Kreisen als Symbol für rassistische und nationalsozialistische Ideologien genutzt wird.“
Eving Selimiye Spor sei ein Verein, in dem zahlreiche Spieler mit Migrationshintergrund aktiv seien. Güleç: „Es handelt sich hier um eine gezielte Einschüchterung, die nicht unbeantwortet bleiben darf.“ Dieser Vorfall sei nicht nur ein Angriff auf den Verein, sondern auf das „friedliche Zusammenleben in unserer Stadt und den Sport als verbindendes Element unserer Gesellschaft.“
Türkische Medien berichten
Auch türkische Medien berichten inzwischen über den Vorfall. Im Telefonat mit unserer Redaktion sagt Emre Güleç, dass die Schmierereien Angst auslösen und Unsicherheit. Er hofft auf Solidarität mit Selimiye Spor. Schließlich solle der „Fußball Brücken bauen, nicht spalten.“
Unsere Quellen:
- Polizei Dortmund
- Mustafa Sahin, Vorsitzender der Evinger Selimiye-Moscheegemeinde
- Emre Güleç, Abgeordneter für das Bündnis für Vielfalt und Toleranz im Dortmunder Rat