50 Jahre Microsoft

Aktuelle Stunde 04.04.2025 13:15 Min. Verfügbar bis 04.04.2027 WDR Von Sebastian Galle

50 Jahre Microsoft: Der Schreibtisch-Monopolist

Stand: 04.04.2025, 14:42 Uhr

Microsoft wird 50. Eine Erfolgsgeschichte - aber es gab auch Rückschläge und Kritik. Bilder und Geschichten aus fünf Jahrzehnten.

Wer einen Computer nutzt, kommt an dieser Firma kaum vorbei. Mindestens 70 Prozent aller Personal Computer weltweit laufen unter dem Microsoft-Betriebssystem Windows. Die Bürosoftware Office zählt über eine Milliarde Nutzer weltweit. Selbst in neuen Software-Kategorien wie den Programmen zur Kommunikation hat der Tech-Riese aus dem Nordwesten der USA mit Microsoft Teams Herausforderer wie Slack weitgehend abgehängt.

Microsoft, Software-Unternehmen gegründet (am 4.4.1975)

WDR Zeitzeichen 04.04.2015 14:48 Min. Verfügbar bis 01.04.2028 WDR 5


Download

WDR-User erinnern sich an erste Schritte mit Windows

Unsere User erinnern sich offenbar noch gut an das frühe PC-Zeitalter und haben uns ihre Geschichten über WDR aktuell bei Facebook geschickt. "Es war zur Windows 3.1- Disketten-Zeit", erzählt zum Beispiel Olaf Herpolsheimer, "da kam damals kurz vor Feierabend ein Kollege vorbei und fragte, ob ich auf seinem PC 'mal eben' Windows installieren könne." Spätgeborene sollten wissen, dass Windows damals auf rund 16 Disketten gespeichert war - die Installation dauerte in der Regel den ganzen Tag.

Jörg Beckmann: "Wahnsinnige 40 Megabyte"

Auch Wolfgang Krawczyk berichtet, deshalb ganze Nächte vor dem Rechner verbracht zu haben, "damit man für Windows 95 nach der Bootdiskette nach und nach die 14 Disketten ins Laufwerk schieben kann. Und gerne hatte die letzte Diskette dann ein Problem..." Jörg Beckmann erinnert sich wohlig an Zeiten, als jedes Megabyte kostbar war: "Ich hab mit MS-DOS 5 angefangen. Und mit DOS 6 hatte man dann die Möglichkeit, mit 'Doublespace' sein Festplattenkapazität zu verdoppeln!! Theoretisch also wahnsinnige 40 Megabyte."

Tom Noering: Solitair-Nachhilfe für den Chef

Tom Noering weiß noch, unter seinen Kollegen der erste mit eigenem PC gewesen zu sein. Als er den Rechner ins Büro mitnahm, war sein Chef so begeistert, dass er sich auch einen anschaffte: "Es war Samstagnachmittag und ich wollte gerade zum Stadion, da rief er an und meinte, dass ich sofort kommen müsste, da die Maus nicht arbeitet. Vor Ort ergab sich Folgendes: Er hatte Solitär spielen wollen und kannte die Regel nicht. Als er eine Karte auf einen Stapel ziehen wollte, sprang diese immer wieder zurück. Anstatt eine angeblich kaputte Maus zu reparieren, hab ich ihm die Regeln erklärt."

Ein älterer Mann tippt am PC. während seine Enkelin auf seinem Schoß sitzt

WDR-Redakteurin Dayala Lang mit ihrem Großvater - und einem Microsoft-Spiel

WDR-Redakteurin Dayala Lang steuerte, wie hier im Bild zu sehen, Mitte der 90er einen virtuellen Rennwagen auf dem Schoß ihres Großvaters. Habt ihr auch Fotos und Geschichten aus den Frühzeiten des Microsoft- und PC-Zeitalters, die ihr mit uns teilen möchtet? Schickt uns eine Mail an wdraktuell@wdr.de - die Besten werden hier veröffentlicht.

Die Erfolgsgeschichte von Microsoft ist auch durch peinliche Pannen und sensationelle Fehleinschätzungen geprägt, die der Firma teilweise bis heute Marktanteile kosten. Bilder und Geschichten aus 50 Jahren:

Bilder und Geschichten aus 50 Jahren Microsoft

Unglaubliche Erfolge, extrem peinliche Fehleinschätzungen: Was lief gut in 50 Jahren Microsoft - und was nicht?

...

Microsoft wurde am 4. April 1975 wie viele andere Tech-Firmen unter einfachsten Bedingungen gegründet. Besonders repräsentativ sieht auch einer der ersten regulären Microsoft-Standorte in Albuquerque (New Mexico) Ende der 1970er-Jahre nicht aus.

Microsoft wurde am 4. April 1975 wie viele andere Tech-Firmen unter einfachsten Bedingungen gegründet. Besonders repräsentativ sieht auch einer der ersten regulären Microsoft-Standorte in Albuquerque (New Mexico) Ende der 1970er-Jahre nicht aus.

Dafür hatten die beiden Gründer der Firma, Bill Gates (r.) und Paul Allen, im Jahr 1975 mit ihren Programmierfähigkeiten schon einiges auf die Beine gestellt. Die beiden Klassenkameraden entwickelten gemeinsam ein Computerprogramm für die Verwaltung von Stundenplänen. Das damit verdiente Geld wurde zum Gründungskapital ihres Unternehmens.

Beim Aufstieg zum globalen Tech-Giganten half den Microsoft-Gründern ein Bluff. Im Jahr 1980 fragte IBM an, ob die kleine Firma ein Betriebssystem für ihre neuen Personal Computer liefern könne. Gates sagte zu. Das Problem: Microsoft hatte noch gar kein Betriebssystem. Statt selbst eins zu schreiben, kauften Gates und Allen ein vorhandenes System namens QDOS (Quick and Dirty Operating System) für etwa 50.000 Dollar - und lizenzierten es als PC-DOS an IBM. Ein Riesenerfolg, der die beiden reich machen sollte.

Mit dem Geld aus dem Software-Geschäft konnten sich die Microsoft-Gründer auch mal einen Wunsch erfüllen. Für Bill Gates war das ein gebrauchter Porsche 911, mit dem er gern nachts durch Albuquerque raste. Die Polizei stoppte ihn auf einer seiner Touren und verhaftete den Jungunternehmer. Das Polizeifoto sollte Teil der Microsoft-Geschichte werden.

Doch auch wenn die junge Firma und ihre frühen Mitarbeiter immer mit genialen Einfällen punkten konnte - manchmal griffen sie auch gewaltig daneben: Das berühmteste Beispiel ist wohl die Software mit dem unschuldigen Namen OS/2, die Mitte der 1980er-Jahre veröffentlicht wurde. OS/2 war für den Betrieb einer Erweiterungskarte für IBM-PC programmiert worden. Insgesamt fanden sich nur elf Käufer, acht von ihnen schickten die Software sogar wieder an Microsoft und verlangten ihr Geld zurück.

Paul Allen schied bereits 1983 wegen Krankheit aus. An seine Stelle rückte Steve Ballmer. Dieser erwies sich zwar als ein absolutes Verkaufstalent, sorgte aber auch immer wieder für Kopfschütteln. Zum Beispiel durch grobmotorische Tanzeinlagen auf der Bühne von Entwicklerkonferenzen. Oder als er sich kurz nach der Veröffentlichung des ersten iPhones bei laufender Kamera über das Apple-Gerät lustig machte. Sein Urteil: Es sei zu teuer, habe keine Tastatur und werde im Business-Markt keine Chance haben. 

Die ersten PCs mussten viele Jahre lang mühselig über Befehlszeichen via Tastatur gesteuert werden. In den 1990er-Jahren schaffte Microsoft mit der grafischen Oberfläche von Windows und deren Fensterprogrammen erstmals eine leicht bedienbare Oberfläche, die auch Nicht-Experten die Arbeit am Computer ermöglicht. Der Erfolg von Windows 95 war so gewaltig, dass Microsoft zwischenzeitlich 90 Prozent des Marktes beherrschte - also quasi zum Monopolisten wurde.

In dieser Zeit begann Microsoft, auch kostenlose Computerspiele in seine Betriebssysteme zu integrieren. Legendär und seit Windows 3.0 eine echte Hilfe für langweilige Tage im Büro: Solitaire.

Doch die 90er waren auch das Jahrzehnt, in denen sich Microsoft einige besonders schwere Patzer leistete. Ausgerechnet Gates glaubte nicht an den Erfolg des Internets, hielt das Web sogar für eine "Eintagsfliege". Konkurrenten wie Netscape nahmen das Geschenk gerne an und eroberten mit ihren Browsern den schnell wachsenden Markt. Erst spät erkannte Microsoft den Fehler und bemühte sich aggressiv, verlorene Marktanteile mit dem Internet Explorer zurückzuerobern. Weil die Firma hierzu ungeniert ihre Monopolstellung auf dem PC-Markt ausnutzte, entging Microsoft nur ganz knapp der Zerschlagung durch die Kartellbehörden.

Microsoft versuchte sich auch an Spielzeug, genauer gesagt entwickelte die Firma die sogenannte ActiMates. Die elektronischen Spielzeuge, die Kinder beim Lernen unterstützen sollten, kamen 1997 auf den Markt. Die Roboter konnten sich durch TV-Signale bei bestimmten Sendungen selbst einschalten. Das fanden sowohl Eltern als auch Kinder unheimlich.

Microsoft Office 97 wurde im November 1996 veröffentlicht und erst durch ein kleines Detail zum Alptraum: Karl Klammer. Er war ursprünglich als Office-Assistent gedacht, drängte sich beim Klick auf bestimmte Funktionen aber unangenehm in den Vordergrund. Seine Ratschläge waren meistens wenig hilfreich. Als Office 2003 auf den Markt kam, warb Microsoft damit, dass Karl Klammer in dem neuen Programm automatisch deaktiviert sei.

Nach dem Mega-Erfolg in den 90ern blieb den Nutzern ein ganz anderes Betriebssystem unangenehm im Gedächtnis: Windows Vista. Fünf Jahre bastelte Microsoft an dem System herum. Das Ergebnis enttäuschte auf ganzer Linie. Vista war inkompatibel mit älterer Software und strotzte vor Treiber-Problemen. Unter anderem diese Schwächen machten Vista zum wohl unbeliebtesten Betriebssystem der Welt.

Fehlende Transparenz und zu große Marktmacht

Microsoft wird immer wieder vorgeworfen, die Stellung des Konzerns auf dem Markt zu missbrauchen. "Sie sind sehr gut darin, ihre Macht zu nutzen, um die Leute zu zwingen, sich beispielsweise Profile anzulegen. Oder um andere Produkte wie Outlook oder Microsoft 365 zu pushen", sagte der IT-Experte und Tech-Journalist Stefan Mey dem WDR. Zudem fehle es Microsoft an Transparenz, der Quellcode bei den Produkten sei nicht einsehbar. "Man weiß also nie genau, was das Betriebssystem auf dem eigenen Gerät macht und ob es eventuell private Daten rausschickt", so Mey.

Wegen Verstößen gegen EU-Kartellgesetze wurde Microsoft in der Vergangenheit schon mehrmals zu Geldstrafen verpflichtet. Dabei wurden Zahlungen in Höhe von insgesamt über zwei Milliarden Euro fällig.

50 Jahre Microsoft: Kritik an Vormachtstellung

WDR 5 Morgenecho - Interview 04.04.2025 06:25 Min. Verfügbar bis 04.04.2026 WDR 5


Download

Unsere Quellen:

  • Nachrichtenagenturen AFP und dpa
  • Interview mit Stefan Mey im WDR 5 Morgenecho
  • Microsoft
  • Facebook-Kommentare