FDP in NRW: Mehr Start-Up, weniger Konzern?

Stand: 29.03.2025, 06:00 Uhr

Etwas über einen Monat ist es her, dass die FDP aus dem Bundestag geflogen ist. In Duisburg trifft sich am Samstag der NRW-Landesverband zum Parteitag und wird wohl auch analysieren, woran es lag und wie es jetzt weitergeht.

Von Nadja Bascheck

Der Schock sitzt noch tief, das kann kaum einer leugnen. Auch bei einigen Landtagsabgeordneten und Politikern aus NRW wie Marcel Hafke: "Es sitzt natürlich schon in den Knochen", sagt er, aber: "Wie heißt es so schön? Staub abklopfen, Krönchen richten und nach vorne gehen."

Genau das sei jetzt die Devise in der Partei. Gerade jetzt seien viele motiviert, der Partei wieder auf die Füße zu helfen. Dabei ist in NRW keineswegs alles verloren: Immerhin bilden die Liberalen eine Fraktion im Landtag, wenn auch nicht in Regierungsverantwortung, sondern in der Opposition. In Düsseldorf hat die Partei also sehr wohl eine Stimme und Sichtbarkeit. Die gilt es jetzt zu nutzen, denn wenn das Scheinwerferlicht aus dem Bundestag fehlt, werden Landes- und Europapolitiker umso wichtiger. Und damit rücken auch Personaldebatten in den Fokus.

Wer kann der FDP aufhelfen?

Moritz Körner, Generalsekretär FDP NRW | Bildquelle: picture alliance/dpa/Focke Strangmann

Nachdem Christian Lindner zurückgetreten ist, weiß fast jeder in der Partei, dass es jetzt vor allem um eine personelle Neuaufstellung geht. Lindner hat eine Lücke hinterlassen, die jetzt geschlossen werden muss. Und auch andere ehemalige Bundespolitiker haben sich erst mal aus der Spitzenpolitik verabschiedet. Auch einige aus NRW: "Wir haben in NRW traditionell auf Bundesebene wichtige Persönlichkeiten gestellt, und es ist natürlich schon eine Zäsur", resümiert Moritz Körner, Generalsekretär der FDP in NRW und Abgeordneter im EU-Parlament.

Kurz war der Name seiner Kollegin, der Europa-Abgeordneten Marie-Agnes Strack-Zimmermann, im Spiel. Sie wurde als mögliche Parteivorsitzende gehandelt. Doch das Blatt hat sich noch einmal gewendet: Bald könnte Christian Dürr aus Niedersachsen diesen Job übernehmen – bis vor kurzem Fraktionsvorsitzender im Bundestag. Aus der NRW-FDP ist zu hören, dass es ein Team geben soll rund um Dürr. Und da könnte das Personal aus dem mitgliederstärksten Landesverband wieder wichtig werden. Zum Beispiel Landespolitiker wie Fraktionschef Henning Höne, der auch Landesvorsitzender ist und heute in Duisburg eine Rede halten wird.

Buschmann, Strack-Zimmermann und Lindner auf dem FDP-Sonderparteitag in Potsdam am 09.02.25 | Bildquelle: ddp/dts Nachrichtenagentur

Moritz Körner glaubt zwar, dass erst mal im Fokus steht, woran die Partei gescheitert ist: Die Performance der Ampel-Regierung zum Beispiel. Aber dann, glaubt auch er, werde sich der Blick nach vorne richten: "Im Moment, glaube ich, ist in der Partei ein bisschen eine Jetzt-erst-recht-Stimmung."

Flache Hierarchien für die Partei

Generell findet Körner, dass jetzt die Chance bestehe, etwas mehr "Start-Up-Spirit" in die Partei zu bringen. Nachdem mit dem großen "Konzern" Bundestag jetzt nicht viel zu machen ist, könnten die FDP-Mitglieder "neu denken". Auch Marcel Hafke meint, dass nun die Zeit der Ehrenamtler und Kommunalpolitiker sei. Er wünscht sich eine Partei mit flachen Hierarchien.

Marcel Hafke (FDP) im Interview mit dem Westblick | Bildquelle: WDR

Was nach Tischkicker und Obstkorb klingt, könnte schon bald eine Strategie für den nächsten Wahlkampf sein. Denn die Kommunalwahl klopft langsam an die Tür: Im September ist es soweit. Und Marcel Hafke hat für sich bereits entschieden, dass er die Chance nutzen und als Oberbürgermeisterkandidat in Wuppertal antreten will. Immerhin: In einer Handvoll Kommunen sitzt eine Person mit FDP-Parteibuch an der Spitze. Beim Landesparteitag soll der erste Schwung für die Wahl aufkommen.

Bildung als Kernthema beim Parteitag

Inhaltlich wird sich die NRW-FDP unter anderem mit dem Thema Bildung beschäftigen: Im Leitantrag sind 15 Thesen zu lesen, wie das Bildungssystem besser werden könnte. Ein klassisches landespolitisches Thema, mit dem sie offenbar punkten und sich profilieren möchte, auch wenn die nächste Landtagswahl erst in zwei Jahren ansteht. Die FDP scheint hier auf Marathon statt Sprint zu setzen. Es wird vermutlich ein straffes Programm für einen Parteitag ohne Wahlen: Aufarbeitung, Staub abklopfen, Schwung nehmen. Immerhin ist Politik ein long run, das wissen die Liberalen.

Über dieses Thema berichten wir am Samstag, 29.3.25 auch im Morgenecho auf WDR5.