Zahlen antisemitischer Vorfälle an Hochschulen steigen

Antisemitismus an Hochschulen: Zahl der Vorfälle steigt deutlich an

Stand: 27.02.2025, 14:05 Uhr

Jüdische Studierende in Deutschland sehen sich zunehmend mit Antisemitismus konfrontiert. Ein neuer Bericht zeigt: Besonders seit dem 7. Oktober 2023 ist die Zahl der Vorfälle deutlich gestiegen. Hochschulen reagieren mit klaren Statements.

Von Marvin H. Konrad

Die Zahlen aus dem aktuellen Bericht des American Jewish Committee (AJC) und der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) sprechen eine deutliche Sprache. Während es 2022 an deutschen Hochschulen rund 20 gemeldete antisemitische Vorfälle gab, waren es 2023 bereits über 150. Besonders alarmierend: Drei Viertel dieser Fälle ereignete sich nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober.

Jüdische Studierende berichten von Schmierereien mit antisemitischen Parolen, von Anfeindungen in sozialen Netzwerken und von Demonstrationen, bei denen israelfeindliche Slogans gerufen werden. Teilweise werden sogar Gewaltaufrufe toleriert. Laut RIAS hat sich das Klima an vielen Universitäten so sehr verändert, das sich jüdische Studierende aus Angst nicht mehr offen zu ihrer Identität bekennen.

Mehr antisemitische Vorfälle an deutschen Hochschulen

WDR Studios NRW 27.02.2025 01:03 Min. Verfügbar bis 27.02.2027 WDR Online


Antisemitismus wird auf dem Campus sichtbarer

Besonders aufsehenerregend sind die Protestcamps, die sich an US-Vorbildern orientieren und an vielen Hochschulen entstanden sind. Hier wird Israel oft als Kolonialstaat dargestellt, und manche Gruppen rechtfertigen offen die Terrorangriffe der Hamas. Diese Narrative sind nicht neu, aber ihre Präsenz auf deutschen Campussen hat stark zugenommen.

Soziale Medien als Brandbeschleuniger

Ein weiterer Faktor für die Zunahme antisemitischer Vorfälle ist die Verbreitung von Hass und Verschwörungstheorien in sozialen Netzwerken. In Uni-Chatgruppen kursieren immer häufiger israelfeindliche Inhalte, und es gibt Berichte darüber, dass jüdische Studierende dort gezielt ausgegrenzt oder bedroht werden. Die Online-Hetze findet ihren Weg in den realen Universitätsalltag.

Hochschulen setzen Statements

Viele Universitäten haben sich in Statements gegen Antisemitismus ausgesprochen, doch die Umsetzung konkreter Maßnahmen fehlt oft. Zwar gibt es inzwischen Antisemitismusbeauftragte und Meldepflichten für Vorfälle, aber Sanktionen gegen Täter sind selten. Der Bericht fordert Hochschulen dazu auf, klare Konsequenzen für antisemitische Handlungen einzuführen.

Experten wie Daniel Poensgen vom Bundesverband RIAS gehen davon aus, das sich die Situation nicht entspannen wird. Schon jetzt zeigen erste Zahlen für 2024, dass der traurige Trend anhält. Dabei liegen die Zahlen an den Hochschulen auch im bundesweiten Trend, in dem sich die Zahl der antisemitischen Vorfälle von 2022 auf 2023 nahezu verdoppelt hat.

Unsere Quellen:

  • Bericht des American Jewish Committee (AJC)
  • Daten der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS)

Über dieses Thema haben wir auch am 27.02.2025 in unseren Hörfunknachrichten um 10 Uhr berichtet.