Urteil: Bewährungsstrafen nach Hauseinsturz in Düsseldorf
Verfügbar bis 03.04.2027.
Urteil: Bewährungsstrafen nach Hauseinsturz in Düsseldorf
Stand: 03.04.2025, 13:44 Uhr
Im Prozess gegen fünf Angeklagte hat das Landgericht am Donnerstag die Urteile verkündet. Bei dem Vorfall gab es damals zwei Tote.
Von Peter Hild
Der Strafprozess um den Hauseinsturz in der Düsseldorfer Innenstadt im Sommer 2020 ist am Donnerstag mit der Urteilsverkündung zu Ende gegangen. Vor dem Landgericht standen fünf Angeklagte.
Der zuständigen Architektin, dem Bauleiter, einem Statiker und zwei Bauunternehmern warf die Staatsanwaltschaft fahrlässige Tötung und fahrlässige Baugefährdung vor. Der Bauleiter wurde zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren, die Architektin zu einem Jahr und 10 Monaten auf Bewährung und der Abrissunternehmer zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr verurteilt. Der Statiker und ein Rohbauer wurden freigesprochen.
Verteidiger des Bauleiters plädiert für Strafe
Der Staatsanwalt hatte zuletzt in seinem Plädoyer für die Angeklagten jeweils Bewährungsstrafen zwischen einem und zwei Jahren gefordert. Nach seiner Ansicht hätten sie ihre Sorgfaltspflichten massiv verletzt und so den Tod von zwei Bauarbeitern verursacht.

Die Angeklagten vor Gericht
Für vier der Angeklagten hatten deren Verteidiger dagegen Freisprüche gefordert. Nicht aber für den Bauleiter, der im Laufe des Prozesses von den Verteidigern der Mitangeklagten belastet worden war. Sein Anwalt plädierte für eine Bewährungsstrafe und einen Teil-Freispruch hinsichtlich des Vorwurfs der fahrlässigen Tötung. Der Bauleiter sei der Aufgabe technisch nicht gewachsen gewesen und habe das Risiko nicht erkannt, erklärte er im Gerichtssaal.
Bauleiter zieht bereits Konsequenzen
Der 61-jährige Angeklagte hatte vor Gericht angekündigt, künftig nicht mehr als Bauleiter arbeiten zu wollen. Aus Sicht seines Verteidigers habe er sich geständig eingelassen und Reue gezeigt.
Ein Gutachten des Landeskriminalamtes hatte den Bauleiter zuvor in den Fokus des Prozesses gerückt. Demnach hatte er wenige Stunden vor dem Einsturz ein Foto von den beginnenden Durchbrucharbeiten an einer tragenden Wand gemacht. Auf dem Bild ist jedoch keine notwendige Abstützung der Decke zu sehen.
Verbindung zum Wanddurchbruch lange bestritten

Der Einsturz sorgte für tagelange Bergungsarbeiten
Lange hatten die fünf Angeklagten in dem rund fünf Monate dauernden Prozess eine Verbindung zu dem letztlich fatalen Wanddurchbruch bestritten. Auf die entscheidenden Fragen, wer von den Arbeiten wusste und wusste wer sie beauftragt hatte, gab es lange keine Antwort.
Erst das Gutachten des LKA zu dem Handyfoto brachte entscheidende Bewegung in die Gerichtsverhandlung. Der Bauleiter räumte schließlich ein, den Abbruchunternehmer angewiesen zu haben, am Unglückstag die Durchbrüche vorzunehmen, er habe das Startsignal gegeben. Allerdings hätten auch der Rohbauer und die Architekten gewusst, dass die Arbeiten kurz bevorstanden.
Bei dem Hauseinsturz am 27. Juli 2020 starben zwei Bauarbeiter unter dem meterhohen Trümmerberg. Feuerwehr und Bergungsteams waren mehrere Tage lang im Einsatz, um den Schutt abzutragen und schließlich die beiden Leichen zu bergen.
Quellen:
- Landgericht Düsseldorf
- Aussagen in der Gerichtsverhandlung
Über das Thema berichten wir am 03.04.2025 auch im Radio auf WDR2 und im WDR Fernsehen in der Lokalzeit aus Düsseldorf, 19.30 Uhr.