Es wird teuer, kompliziert: Wie reagieren NRW-Unternehmen?
Aktuelle Stunde . 03.04.2025. 33:36 Min.. UT. Verfügbar bis 03.04.2027. WDR. Von Meike Hendriksen.
Trumps neue Zölle und wie NRW ihnen begegnen will
Stand: 03.04.2025, 14:59 Uhr
Landeswirtschaftsministerin Neubaur erwartet konkrete Folgen der neuen US-Zölle für Unternehmen und Arbeitnehmer auch in NRW. Unternehmensvertreter wollen das Beste aus der widrigen Lage machen.
Von Martin Teigeler und Wolfgang Landmesser
Landeswirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) erwartet, dass sich die Zollpolitik von US-Präsident Trump "ganz konkret auf Betriebe und Beschäftigte hier in NRW" auswirkt. "Für viele Unternehmen bedeutet das Unsicherheit, für Verbraucherinnen und Verbraucher höhere Preise", sagte Nebaur am Donnerstag.
Keine Erholung der Wirtschaft wegen Zöllen?
Und die Vize-Ministerpräsidentin äußerte sich auch skeptisch zu möglichen Folgen für die ohnehin lahmende Konjunktur in Nordrhein-Westfalen: "Mit solchen Zöllen wird eine Rückkehr zu wirtschaftlichem Wachstum in NRW erneut schwieriger." Sollte die US-Regierung keine Kompromissbereitschaft zeigen, müsse Europa "geschlossen und entschlossen reagieren", so Neubaur.
US-Präsident Donald Trump hat seine Drohungen wahr gemacht und den Zollhammer ausgepackt. Einfuhren aus der EU sollen künftig mit mindestens 20 Prozent an Zöllen belegt werden. Auf Autos, Stahl- und Aluminiumeinfuhren erheben die USA Zölle von 25 Prozent.
Große Auswirkungen - aber auch Ausnahmen
Die Zölle gelten allerdings nicht flächendeckend für alle Branchen, wie Ralf Schlindwein, Geschäftsführer Internationales bei der Industrie- und Handelskammer Düsseldorf, berichtet: "Da gibt es Ausnahmen, beispielsweise für Polymere." Diese werden bei der Kunststoff-Bearbeitung benötigt. "Und bei uns in NRW produzieren es beispielsweise Unternehmen wie Henkel, Evonik oder Covestro", so Schlindwein.
Insgesamt erwartet der IHK-Experte aber einen "enormen Impact" durch die Zölle. Die USA seien für NRW der viertwichtigste Handelspartner und nach den Niederlanden und Frankreich der drittwichtigste Absatzmarkt - und der weltweit wichtigste Investitionsstandort. Schlindwein: "Man sieht einfach, dass die USA auch durch keinen anderen Markt dieser Form zu ersetzen sind."
NRW-Firmen pragmatisch bis trotzig
Auf der derzeit laufenden Hannover Messe hatten Unternehmensvertreter aus Nordrhein-Westfalen bereits kurz vor Trumps Ankündigung auf die erwarteten Zölle reagiert. Dabei wurde deutlich, dass Geschäftsleute nicht nur skeptisch und abwartend, sondern teils auch pragmatisch an das Thema herangehen.
"Wir versuchen solche Sachen nicht als Bedrohung zu sehen, sondern als Challenge", sagte Andreas Evertz, Chef des Getriebe-Herstellers Flender im westmünsterländischen Bocholt. "Wir sind in der Lage, auch in den USA zu fertigen. Wir haben dort auch Produktion."
Ein anderes Beispiel: die Technologiegruppe Harting aus dem ostwestfälischen Espelkamp. Das Unternehmen stellt Elektroniksysteme her und ist auch in den USA vertreten. "Wir haben natürlich Kunden in Deutschland, die wir beliefern und die ihre Produkte in die USA exportieren", sagt Harting-Sprecher Detlef Sieverdingbeck. Wie sich das "ausbalanciert", müsse man abwarten.
Mehr Importe als Exporte
Dass auch die US-Wirtschaft im Falle eines eskalierenden Handelskonflikts durchaus etwas zu verlieren hat, zeigt ein Blick auf die Statistik: Die nordrhein-westfälische Wirtschaft hatte im Jahr 2023 Waren im Wert von 15,7 Milliarden Euro in die Vereinigten Staaten von Amerika exportiert. Nach Angaben des Statistischen Landesamts IT.NRW lag der Importwert mit 17 Milliarden Euro spürbar höher.
Erstmalig überstieg damit die Summe der Importe aus den USA die Summe der Exporte in die USA. Dieser Trend setzte sich den Angaben zufolge im ersten Halbjahr 2024 fort - mit Exporten im Wert von 7,8 und Importen von 9,1 Milliarden Euro. Es ist also ein Geben und Nehmen zwischen der NRW-Wirtschaft und der US-Ökonomie.
Unsere Quellen:
- Neubaur auf WDR-Anfrage
- Unternehmensvertreter und Schlindwein im WDR-Hörfunkinterview
- Handelsstatistik laut IT.NRW
- Nachrichtenagenturen dpa und Reuters
Über dieses Thema berichten wir am 03.04.2025 auch im WDR-Radio: "Westblick" auf WDR 5.