Negative Meldungen sind deutlich seltener geworden am Niederrhein, zumindest wenn sich das Thema um Borussia Mönchengladbach dreht. Die Mannschaft von Trainer Gerardo Seoane hat sich in dieser Saison schließlich zu einem Team entwickelt, das sich nach 26 Spieltagen ernsthaft mit der Teilnahme an einem internationalen Wettbewerb beschäftigen kann. Am Samstag (29.3.) empfängt die Borussia RB Leipzig (Tabellenplatz 5), mit einem Sieg würden die Gladbacher an den Sachsen in der Tabelle vorbeiziehen.
Von einem Abstiegskandidaten aus der Vorsaison haben sich die Fohlen wohl auch zur eigenen Überraschung des Verantwortlichen zu einem Team aus dem oberen Tabellendrittel entwickelt. "Ich freue mich total, dass Borussia wieder überall ein Thema ist, über das die Leute gerne und positiv sprechen. Es ist uns gelungen, dass man Borussia wieder gerne zuguckt", sagt Roland Virkus.
Neue Hierarchie
Es schwingt auch ein wenig Stolz mit beim Sport-Geschäftsführer der Borussia. Denn nach einigen sportlich schwierigen Jahren ist es den Mönchengladbachern nun offenbar gelungen, eine neue Mannschaft mit Perspektive zu bauen. Mit der Auflösung des Vertrags von Christoph Kramer (34) im vergangenen Jahr hat dann auch der letzte Platzhirsch einer starken Ära um Yann Sommer (36) oder Jonas Hofmann (32) die Borussia verlassen.
Die entstandenen Lücken wurden von Neuzugängen wie Tim Kleindienst oder und Philipp Sander (27) ausgefüllt. Auch junge Hoffnungsträger wie Rocco Reitz (22) haben sich in dem neuen Teamkonstrukt nun endgültig zurechtgefunden und haben ihren Platz in dem (Hierarchie-) Gebilde eingenommen. "Die Transfers, die wir getätigt haben, mehr zielgerichtet auf Erfahrung, Persönlichkeit und Kabine, haben der Mannschaft gut getan", sagte Seoane, der aufgrund der durchwachsenen Leistungen seines Teams bereits stark in die Kritik geraten war.
Konkurrenzfähiger Angriff, löchrige Defensive
Diese Veränderungen wirken sich allerdings mittlerweile nachhaltig positiv auf das Gladbacher Spiel unter Seoane aus. Der entscheidende Unterschied zur vorangegangenen Spielzeit ist schnell auszumachen. Während die Offensive auch schon in der Vorsaison konkurrenzfähig war (vergangenen Saison 40 Tore nach 26 Spieltagen, aktuell 43 Treffer), sieht es in der Defensive ganz anders aus.
Die Abwehr war in der Vergangenheit überaus löchrig und wenig konsistent. 67 Gegentore kassierte das Seoane-Team zum gleichen Zeitpunkt der Vorsaison, derzeit sind es lediglich 40. Die Gladbacher haben zu einer neuen Stabilität gefunden.
Viel weniger Remis und verspielte Führungen
Das hat natürlich positive Auswirkungen auf die Ergebnisse. Die Borussia schafft es mittlerweile viel häufiger, Führungen über die Ziellinie zu tragen. Vor allem die Zahl an Unentschieden und verspielten Führungen ging zurück: Es gab bislang erst vier Punkteteilungen (in der kompletten letzten Saison waren es 13) und erst eine verspielte Führung (die wenigsten mit Union Berlin, letzte Saison waren es mit 13 noch die meisten aller Mannschaften).
Dieser Wandel ist ein echter Punktelieferant. Mit nun 40 Zählern (Vorsaison: 28 Punkte) haben sich die Fohlen frühzeitig aller Abstiegssorgen entledigt, was trotz der internationalen Perspektive die wohl wichtigste Nachricht am Niederrhein ist - und für Planungssicherheit sorgt.
Dafür sorgten zuletzt vier Auswärtssiege in Folge, so dass drei sieglose Heimspiele in Serie nicht so ins Gewicht fielen. Das Saisonziel, ein einstelliger Tabellenplatz, dürfte der Klub mindestens erreichen.
Die Hoffnungen auf einen noch positiveren Ausgang sind natürlich bei allen Beteiligten vorhanden. "Tabellarisch ist in der Region, in der wir uns befinden, alles sehr eng beieinander. Das heißt, wir müssen hellwach bleiben und unser Ziel im Auge behalten", sagt Virkus.