
"Muse" - Bamby ist die Worldwide Dancehall Queen
Stand: 02.04.2025, 15:54 Uhr
Bamby aus Französisch-Guyana ist die neue Queen der international vernetzten Dancehall-Szene. Auf ihrem Debütalbum "Muse" verbindet sie Südamerika, die Karibik, Frankreich und Afrika. Mit Stargästen wie Busy Signal und Pheelz feiert sie eine afro-kreolische Party.
Von Adrian Nowak
Französisch-Guayana liegt im Norden Südamerikas – ein Land zwischen den Welten und Kulturen. Auf der einen Seite der dichte Amazonas-Regenwald, auf der anderen der Atlantik. Auf der einen Seite die Grenze zum portugiesischsprachigen Brasilien, auf der anderen Surinam, wo Niederländisch gesprochen wird.
In diesem Melting Pot wurde Ambre Zamor 1991 geboren und wuchs in der Hauptstadt Cayenne auf. Wenn sie als Kind etwas von ihrer Großmutter wollte, schaute sie diese mit großen Augen an, woraufhin die Oma erwiderte: "Machst du schon wieder einen auf Bambi?" Den Spitznamen wurde Bamby bis heute nicht los – obwohl sie sicherlich kein scheues Rehlein ist.
Ungewollter Ruhm
Mit selbstbewussten Lyrics auf harten Dancehall-Riddims wurde Bamby 2015 bekannt. Dabei wollte sie eigentlich hinter den Kulissen arbeiten und in New York Management studieren. Doch dann nahm sie 2015 "Real Wifey" mit ihrem Förderer Jahyanai King auf – dem größten Star der lokalen Dancehall-Szene in Guayana.
Der Song wurde ein Hit, lief im Radio, in Clubs, in vorbeifahrenden Autos – und plötzlich kamen Booking-Anfragen aus Frankreich. Auf einmal wurde die nachdenkliche Ambre, die mit dem R&B von Lauryn Hill aufgewachsen war, zu einer gefeierten Dancehall-Queen.
Nach zehn Jahren, in denen sie ausschließlich Singles veröffentlichte, kommt nun endlich ihr Debüt "Muse" – ein abwechslungsreiches Potpourri unterschiedlicher afro-karibischer Styles.
Roots and Fruits
Das Album beginnt mit dem Intro "Bèf danbwa (hommage Man’sérotte)", das die traditionelle Kasékò-Musik aus Guayana mit südafrikanischen Amapiano-Grooves verbindet und so eine Brücke zwischen Tradition und Moderne schlägt – denn Amapiano ist derzeit wohl die angesagteste Dance-Music. "Mon Paradis c’est la Jungle", singt sie danach in "Guyane", einer Ode an ihre Heimat zwischen Regenwald und Atlantik, die mit sanftem Afrohouse-Groove daherkommt.
Erst im dritten Track "Pretty" zeigt sie sich von der empowernden Bad-Gyal-Seite, mit der sie bekannt geworden ist, und liefert eine Hymne für die starken Frauen in der Dancehall-Szene.
Auch Tracks wie das minimalistische "Ordinary" oder das hektische "Don Dada" liefern irre-schrille Reimketten und selbstbewusste Ansagen auf Französisch, Kreol und Englisch. Von ihrer verletzlichen Seite zeigt sie sich in Titeln wie "J’y croyais", "Maladie" oder "Tourment d’amour", die R&B-Vibes und langsame afrokaribische Rhythmen vereinen. Hier hört man auch ein bisschen heraus, dass Bamby als Kind Whitney Houston in Dauerschleife gehört hat.
Die Brückenbauerin
Dass Bamby mit ihrem Album einen internationalen Ansatz verfolgt, zeigt sich auch an der Auswahl der Gäste. Da wäre zum Beispiel der nigerianische Sänger und Produzent Pheelz, der auf "See Me Yah" den romantischen Duett-Partner gibt. Auf "Shattaz" schaut der Jamaikaner Busy Signal vorbei, der gemeinsam mit Bamby über ausgelassene Partys und gutes Weed chattet.
Viele der Beats wurden von den Londoner Producern Fanatix und dem Franzosen High P produziert, der auch schon für Aya Nakamura oder Reggaeton-Superstar Ozuna Riddims gebaut hat. Sie alle helfen Bamby dabei, "Muse" zu einer abwechslungsreichen und ausgelassenen Party zu machen – mal sinnlich, mal aggressiv, mal ausgelassen, aber immer voller Energie und weiblichen Selbstbewusstseins.