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Michael Bublé

Global Pop News 01.04.2025

Kanadische Juno-Awards besonders patriotisch

Stand: 01.04.2025, 11:53 Uhr

Preisverleihung für politische Statements genutzt | Die türkische Demokratiebewegung ruft zu Boykott von Konzerten auf | Trump will Ticket-Wucher bekämpfen

Von Lukasz Tomaszewski

Eigentlich geht’s bei dem kanadischen Musikpreis Juno hauptsächlich um … die Musik. Diesmal aber zeigte man dem großen Nachbarn im Süden, den USA, was man von seiner neuen Politik hält. Jazzsänger und Moderator Michael Bublé sagte bei seiner Rede, man sei schön, die großartigste Nation der Welt und stehe nicht zum Verkauf.

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Der wichtigste Musikpreis Kanadas, die Junos, war ein Abend der Abrechnungen mit der Politik der Trump-Administration – sie hatte ihren Nachbarn und langjährigen Verbündeten Kanada zuletzt immer wieder verärgert. Donald Trump hatte gesagt: Er könnte sich vorstellen, Kanada zu übernehmen. Dann kamen noch die Strafzölle dazu. Allen voran Moderator und Jazz-Sänger Michael Bublé nutzte seine Eröffnungsrede für eine satte Portion Patriotismus.

“Wir lieben dieses Land. Und wenn du etwas lebst, machst du dich dafür gerade. Das werden wir immer tun.“ Michael Bublé

Das täten die Kanadierinnen und Kanadier, weil sie beeindruckend und furchtlos seien, so der Sänger.

Schelle gegen Musk

Rapper bbno$ bezeichnete Trump-Berater und Milliardär Elon Musk auf der Bühne als "ein Stück Müll" und erntete dafür großen Applaus. Die 79-jährige Countrysängerin Anne Murray sagte, sie habe sich während ihrer gesamten Karriere immer geweigert, in die USA umzuziehen, obwohl der Markt dort viel größer sei.  Kanada sei ihr sicherer Hafen, ihr Licht am Ende des Tunnels. Die Sängerin trug ein kanadisches Eishockeytrikot, um zu zeigen, wo sie hingehört. Die angedrohten Übernahmen und die Strafzölle haben in Kanada bei vielen Menschen Ablehnung und Wut ausgelöst und zu einer neuen Welle des Patriotismus geführt. Auch der neue Premierminister Mark Carney hat sein Land auf eine neue Art der Beziehungen zu den USA eingeschworen.

Türkei: Demokratiebewegung ruft zu Boykott von Konzerten auf

Die Proteste in der Türkei gegen die Erdogan-Regierung finden nicht nur auf der Straße statt. Neben den Massenprotesten gibt es auch eine Boykottbewegung gegen regierungsnahe Unternehmen.  Und da kommen jetzt auch internationale Artists ins Spiel, die britische Rockband Muse zum Beispiel. Es gibt jede Menge Kommentare unter der Ankündigung von ihrem Konzert in Istanbul: Sie sollen nicht kommen. Sie haben etwas gegen das Unternehmen, das das Muse-Konzert organisiert: DBL Entertainment. Angefangen hat alles mit einem Espresso-Boykott.

Die türkische Oppositionspartei CHP hatte bei der Großdemonstration am Samstag in Istanbul dazu aufgerufen, die Café-Kette Esspressolab zu boykottieren, wegen der Nähe der Besitzer zur türkischen Regierung. Daraufhin blieben in den Café-Filialen erstmal die Besucher weg. DBL-Entertainment-Konzernchef Abdülkadir Özkan bezeichnete Menschen, die den Boykottaufruf unterstützen, als "Verräter". Er erntete auf X dafür einen Shitstorm und hat daraufhin seinen Account geschlossen. Und dann kam es zu vielen User-Posts in den sozialen Netzwerken von internationalen Artists, die ein Türkei-Konzert planen. Also eben: Muse, Robbie Williams, den Comedian Trevor Noah und andere. Sie werden aufgefordert, ihre Konzerte abzusagen.

Es gibt tausende Kommentare

Naja, es ist eine dynamische Entwicklung. Unter der Konzertankündigung von Muse zum Beispiel finden sich zig Posts der Tenor: Wir lieben euch, aber der Konzertveranstalter unterstützt die Regierung, die eure Fans auf der Straße verhaftet. Also sagt bitte ab. Dazu viele Videos der Verhaftungen. Die Band hat noch nicht darauf reagiert.

Die türkische Popsängerin Gaye Su Akyol richtet sich auf X direkt an Muse, Robbie Williams und Ane Brun und schreibt: "Weder ich noch sonst jemand wird eure Konzerte in Istanbul besuchen, weil der Veranstalter auf der Boykottliste der Demokratiebewegung steht.“ Comedian Trevor Noah hat seinen Auftritt ohne nähere Begründung abgesagt. Und die norwegische Musikerin Ane Brun hat reagiert und schreibt unter einen der Kommentare: "Das wusste ich nicht. Ich werde etwas unternehmen. Danke."

Trump will Ticket-Wucher bekämpfen

Die dynamische Preisentwicklung bei Konzerttickets ist weltweit ein Riesenproblem: Wir warten stundenlang auf die Online-Freischaltung zu einem Konzert, dann landen wir in einer Warteschleife und müssen beim Bezahlen oft das Doppelte abdrücken.  US-Präsident Donald Trump will mit einer neuen Anordnung dagegen vorgehen und hat sich prominente Unterstützung geholt: Rapper Kid Rock. Wie immer bei der Unterzeichnung von Anordnungen passierte das gestern öffentlichkeitswirksam im Oval Office mit einem dicken schwarzen Filzstift. Links im Bild neben Trump war der Country-Rapper Kid Rock mit Sonnenbrille, Cowboyhut und Stars-and-Stripes-Pailletten-Anzug. Trump sagte der Presse: Kid Rock sei ein alter Freund und setze sich seit Jahren für eine Sache ein, die der Allgemeinheit zugutekomme. Der Schwarzmarkt seibeim Ticketkauf ein großes Problem, er wolle das schnell lösen. Der Musiker Kid Rock war eine Art Statist, der das Problem dann nochmal genauer vor der Presse erklärt hat: 

Du kaufst ein Ticket für 100 Dollar und wenn du online bezahlen willst, kostet es plötzlich 170. Du weißt nicht, wofür. Das Problem sind vor allem die Bots. Darum glaube ich, ist das ein guter erster Schritt. Kid Rock

Neue Anordnung soll eigentlich altes Gesetz durchsetzen.

Generalstaatsanwaltschaft und Finanzministerium sollen sich darum kümmern, dass Schwarzhändler alle steuerlichen Vorschriften einhalten. Außerdem soll die Verbraucherschutzbehörde eine sogenannte Preistransparenz einführen und sie kontrollieren. Die Trump-Administration spricht von Vernunft und Ordnung, die auf dem Ticketmarkt wiederhergestellt werden sollen. Was er nicht sagt: Eigentlich fordert die Anordnung nur, das sogenannte BOTS-Gesetz einzuhalten, das in der Amtszeit seines Vorgängers Joe Biden verabschiedet wurde.  Der größte Händler LIVE NATION meldete sich und begrüßte das Vorhaben. Man unterstützealle sinnvollen Reformen im Bereich des Wiederverkaufs. "Einschließlich einer stärkeren Durchsetzung des BOTS-Gesetzes, Obergrenzen für Wiederverkaufspreise und vieles mehr."