Unterricht in der Fahrschule, Fahrstunden, theoretische und praktische Prüfung: Der Weg zum Auto-Führerschein ist weit - und oft auch teuer. Bis zu 4.000 Euro zahlen Fahrschüler inzwischen.
Die Verkehrsminister und -ministerinnen der Länder finden, dass der Führerschein wieder günstiger werden muss. Der Führerschein sei wichtig für die "individuelle Mobilität", gerade auf dem Land, wo kaum oder selten Bus und Bahn fahren, heißt es in einem Beschluss der Verkehrsminister bei ihrer Konferenz in Nürnberg.
Verkehrsminister: Theoretische Ausbildung entschlacken
Die Minister fordern vom Bund, die theoretische Ausbildung zu entschlacken. "Da werden Fragen gefragt, die für das Führen eines Fahrzeugs gar nicht relevant sind. Deshalb haben wir zu hohe Durchfallquoten", so NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer im Gespräch mit dem WDR.
Fast die Hälfte (42 Prozent) der Fahrschüler ist nach Zahlen des TÜV-Verbandes 2023 durch die Theorie-Prüfung gerasselt. Wenn weniger Stoff gelernt werden müsse, dann würden die Fahrschüler nicht so schnell durchfallen und müssten nicht für einen erneuten Versuch zahlen - so die Rechnung der Verkehrsminister.
Für den Fahrlehrerverband Nordrhein geht die Rechnung der Minister nicht auf: Zwar sei die theoretische Ausbildung inzwischen sehr umfangreich: "Vor 20, 25 Jahren hatten wir noch 800 Fragen für die Fahrerlaubnis der Klasse B. Heute sind es fast 1.200 Fragen", sagt der Verbandsvorsitzende Kurt Bartels im WDR-Gespräch.
Aber wenn man durchfällt, müsse man rund 25 Euro für die erneute Prüfungsanmeldung beim TÜV zahlen, so Bartels. Das ist ein verschwindend geringer Anteil der Gesamtrechnung beim Führerschein.
Fahrlehrer: Hohe Kosten für Fahrschulen, umfangreiche praktische Ausbildung
Der Führerschein sei aus anderen Gründen inzwischen sehr teuer, heißt es vom Fahrlehrerverband. Zum einen seien die Kosten für die Fahrschulen extrem gestiegen - vor allem rund ums Auto: Versicherung, Reparaturen und Sprit. Diese Kosten müssten an die Fahrschüler weitergegeben werden, so Bartels.
Außerdem sei die praktische Ausbildung umfangreicher geworden: Es gebe mehr Verkehr und mehr Regelungen als früher. Fahrschüler müssten außerdem den Umgang mit Fahrassistenzsystemen wie Einparkhilfen lernen. Für all das brauche man heute etwa doppelt so viele Fahrstunden wie vor zwanzig Jahren. Danach folge eine etwa 40-minütige praktische Prüfung:
Seien Sie mal mit dem Auto heute 40 Minuten voll konzentriert durch Köln unterwegs. Ich vermute mal, dass jedem von uns da der ein oder andere Fehler passieren würde, der vielleicht sogar zum Nicht-Bestehen der Prüfung führen würde. Kurt Bartels, Vorsitzender Fahrlehrerverband Nordrhein
Die Anforderungen an die Fahrschüler seien gestiegen, heißt es vom Fahrlehrerverband. Um die Kosten zu senken, sei es zielführender, die praktische Ausbildung einfacher zu machen.
Verband: Viele Fahrschüler müssen Verkehrswahrnehmung lernen
Bartels sagt aber auch, dass die Fahrschüler selbst sich verändert hätten: Viele müssten nicht nur das Autofahren, sondern auch die Wahrnehmung des Verkehrs erst noch lernen. Als Fußgänger oder Beifahrer hätten sie zuvor mehr aufs Handy als auf die Straße geschaut. Auch diese Grundlagenausbildung koste Fahrstunden und entsprechend Geld.
Wie der Auto-Führerschein günstiger werden könnte. WDR Studios NRW. 03.04.2025. 02:15 Min.. Verfügbar bis 03.04.2027. WDR Online.
Vorschlag: Keine Mehrwertsteuer auf den Führerschein
Bartels hat noch eine weitere Idee, um die Kosten zu senken: Man solle darüber nachdenken, die Mehrwertsteuer auf den Führerschein fürs Auto zu streichen. Beim Führerschein für Nutzfahrzeuge gebe es schließlich schon lange keine Mehrwertsteuer mehr.
Unsere Quellen:
- WDR-Gespräch mit Kurt Bartels vom Fahrlehrerverband Nordrhein
- WDR-Gespräch mit NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer
- Nachrichtenagentur Deutsche Presse-Agentur (dpa)