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Nach der Bundestagswahl: CDU und SPD wollen von heute an sondieren
Stand: 27.02.2025, 19:25 Uhr
Die Stimmen sind ausgezählt, der Wahlsieger steht fest. Deutschland hat gewählt. Wie geht es weiter? Was passiert nach der Wahl und wann übernimmt die neue Regierung? Alles was ihr nach der Bundestagswahl 2025 wissen müsst.
Von Lukian Ahrens
Fast 50 Millionen Menschen in Deutschland haben am 23. Februar 2025 ihre Stimme abgegeben und einen neuen Bundestag gewählt. Mittlerweile sind die Stimmen ausgezählt und CDU/CSU stehen als Wahlsieger fest. Bereits fünf Tage danach, also am Freitag, wollen sich Union und SPD zu Sondierungsgesprächen treffen.
Was ist das eigentlich? Und wer regiert, bis es eine neue Regierung gibt? Antworten auf die wichtigsten Fragen nach der Bundestagswahl 2025.
- Was passiert nach der Wahl?
- Was sind Sondierungsgespräche und Koalitionsverhandlungen?
- Was regelt ein Koalitionsvertrag?
- Wann tritt der neue Bundestag zusammen?
- Wie wird der Bundeskanzler oder die Bundeskanzlerin gewählt?
- Bis wann muss eine neue Regierung gebildet werden?
- Wer regiert, bis eine neue Regierung gebildet wurde?
Was passiert nach der Wahl?
Seit Montagmorgen ist es amtlich: Die Union hat die Wahl zum 21. Deutschen Bundestag gewonnen. Um 4:10 Uhr verkündete die Bundeswahlleiterin das vorläufige Endergebnis. Danach sind die CDU und CSU mit zusammen 28,5 Prozent der Stimmen stärkste Kraft im Bundestag geworden.
Hier könnt ihr nachschauen, wie in eurem Wahlkreis gewählt wurde.
In der Regel beansprucht die Partei mit den meisten Stimmen den sogenannten Regierungsauftrag für sich. Da es in Deutschland keine formelle Regelung zum Regierungsauftrag gibt, können bei knappen Ergebnissen auch mehrere Parteien den Regierungsauftrag für sich beanspruchen. 2005 taten das beispielsweise sowohl die SPD als auch die Union.
Da es in Deutschland nur sehr selten vorkommt, dass eine Partei die absolute Mehrheit im Bundestag erlangt, müssen sich in der Regel zwei oder mehr Parteien für die Regierungsbildung zusammenschließen.
Was sind Sondierungsgespräche und Koalitionsverhandlungen?
Parteien, die gemeinsam regieren wollen, versuchen in sogenannten Sondierungsgesprächen oder auch Vorverhandlungen herauszufinden, ob so eine Zusammenarbeit möglich ist. Bewerten die politischen Parteien die Sondierungsgespräche als erfolgversprechend, verabreden sie sich in der Regel anschließend zu Koalitionsverhandlungen. Häufig bereiten Fachleute der Parteien auf der Arbeitsebene Papiere vor. Ziel ist, am Ende einen Koalitionsvertrag abzuschließen.
Am Freitag wollen CDU, CSU und SPD in konkrete Gespräche zur Bildung einer gemeinsamen Regierungskoalition einsteigen - fünf Tage nach der Wahl. Beide Seiten schicken je neun Verhandler. Nach diesem ersten Ausloten kämen als nächster Schritt konkrete Koalitionsverhandlungen zwischen Union und SPD.
Was regelt ein Koalitionsvertrag?
Einigen sich die beteiligten politischen Parteien auf eine Regierungskoalition, legen sie üblicherweise in einem Koalitionsvertrag die Ziele schriftlich nieder, auf die sie sich für ihre zukünftige Regierungsarbeit geeinigt haben.
Ein Koalitionsvertrag wird in der Regel für die Dauer einer Wahlperiode geschlossen. Inhaltlich werden darin meist Leitlinien oder Eckpunkte der Koalitionsarbeit bestimmt. Teilweise werden aber auch schon einzelne Sachentscheidungen getroffen oder Gesetzgebungsvorhaben detailgenau beschrieben. Darüber hinaus wird festgelegt, wer Bundeskanzler oder -kanzlerin werden und wer welches Bundesministerium leiten soll.
Wann tritt der neue Bundestag zusammen?
Das Grundgesetz sieht vor, dass der neu gewählte Bundestag spätestens 30 Tage nach der Wahl, also am 25. März 2025, zusammentreten muss. In dieser ersten konstituierenden Sitzung wählen die Abgeordneten den Bundestagspräsidenten oder die Bundestagspräsidentin sowie die Stellvertreter und Stellvertreterinnen. Zudem beschließen die Abgeordneten des Bundestags die Geschäftsordnung.

30 Tage nach der Wahl tritt der neue Bundestag zusammen
Wie wird der Bundeskanzler oder die Bundeskanzlerin gewählt?
Haben sich mehrere Parteien auf eine Zusammenarbeit verständigt, kann der Bundeskanzler oder die -kanzlerin gewählt werden. In der Regel handelt es sich dabei um den Kanzlerkandidaten oder die Kandidatin der stärksten Partei. Diese Person wird von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier dem Bundestag für das Amt vorgeschlagen.
Zu einer erfolgreichen Wahl benötigt die Kanzlerkandidatin oder der Kanzlerkandidat in der ersten Wahlphase die absolute Mehrheit der Abgeordnetenstimmen. Das heißt: die Hälfte der Abgeordneten des Bundestages plus mindestens eine Stimme. Man spricht auch von der "Kanzlermehrheit".
Erreicht der Kandidat oder die Kandidatin nicht die absolute Mehrheit, kann der Bundestag innerhalb von 14 Tagen eine andere Person wählen. Erreicht auch dieser Kandidat oder diese Kandidatin keine absolute Mehrheit, findet direkt im Anschluss ein dritter Wahlgang statt. Bundeskanzler oder -kanzlerin wird dann, wer die meisten Stimmen, also eine einfache Mehrheit, erlangt.
Ist die Bundeskanzlerin oder der Bundeskanzler mit absoluter Mehrheit gewählt, so muss der Bundespräsident sie oder ihn binnen sieben Tagen nach der Wahl ernennen. Erreicht die oder der Gewählte nur die einfache Mehrheit, muss der Bundespräsident sie oder ihn entweder binnen sieben Tagen ernennen oder den Bundestag auflösen. Löst der Bundespräsident den Bundestag auf, müssen innerhalb von 60 Tagen Neuwahlen stattfinden.

2021 wurde Olaf Scholz als 9. Bundeskanzler vereidigt
Da sich in den Koalitionsverhandlungen in der Regel Parteien mit einer Mehrheit im neuen Bundestag bereits auf eine Zusammenarbeit geeinigt haben, erhielten seit 1949 alle Bundeskanzler und -kanzlerinnen im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit.
Die Bundesminister und -ministerinnen werden in der Folge auf Vorschlag des neu gewählten Bundeskanzlers oder der Bundeskanzlerin vom Bundespräsidenten ernannt.
Bis wann muss eine neue Regierung gebildet werden?
Das Grundgesetz sieht keine Frist für die Wahl eines Bundeskanzlers oder einer Bundeskanzlerin und damit für die Regierungsbildung vor.
Wer regiert, bis eine neue Regierung gebildet wurde?
Nach der Bundestagswahl bleibt die amtierende Bundesregierung vollständig handlungsfähig. Sie gilt bis zur ersten Sitzung des neuen Bundestages als amtierende Bundesregierung. Sollte bis dahin noch keine neue Regierung gebildet worden sein, arbeitet die amtierende Bundesregierung auf Ersuchen des Bundespräsidenten im Anschluss weiter als geschäftsführende Bundesregierung. Die bisherige Bundesregierung bleibt solange geschäftsführend im Amt, bis eine neue Regierung gebildet wurde.
Eine geschäftsführende Bundesregierung besitzt dieselben Befugnisse wie eine Regierung, die "regulär" im Amt ist. Bislang war es jedoch gängige Staatspraxis, keine Entscheidungen zu treffen, die eine nachfolgende Bundesregierung binden würden. So werden beispielsweise keine neuen Gesetze auf den Weg gebracht.
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