Selbstfahrende Busse in Düsseldorf | WDR aktuell
00:42 Min.. Verfügbar bis 18.02.2027.
Autonom fahrende Busse: Wann sie kommen und wo es noch hakt
Stand: 18.02.2025, 15:09 Uhr
Immer wieder gibt es Testläufe mit autonom fahrenden Bussen wie gerade bei der Robotikmesse in Düsseldorf. Wann wird es solche Busse im Regelbetrieb geben? Wo hakt es noch? Und wo liegen die Chancen und Gefahren?
Von Oliver Scheel
Wenn in Düsseldorf die Autonomie- und Robotikmesse läuft, dann darf ein autonom fahrender Shuttlebus nicht fehlen. Die Rheinbahn testet rund um die Messe einen autonomen Bus, der auf einer 1,5 km langen Strecke vom Messeparkplatz zum Messeeingang im Einsatz ist.
Immer wieder gibt es Testläufe mit autonom fahrenden Bussen, auch in NRW. Der bekannteste unter ihnen ist der Shuttlebus aus Monheim, der über vier Haltestellen von Monheim Mitte bis in die Altstadt fährt. Allerdings fährt in den Bussen immer eine Aufsichtsperson mit, denn in Deutschland dürfen autonome Busse noch nicht alleine fahren.
Wo stehen wir bei der technischen Entwicklung? Welche Chancen und Gefahren birgt das autonome Fahren? Und wann werden die autonomen Fahrzeuge zum Straßenalltag gehören?
Wann fahren autonome Busse im Regelbetrieb?
Seit vielen Jahren arbeiten die Ingenieure daran, ein Auto zu entwickeln, das nicht gelenkt werden muss, das sich ganz allein und sicher durch den Verkehr bewegt. Obwohl der gesetzliche Rahmen in Deutschland steht, sind wir über Testläufe bisher nicht hinaus gekommen. Dennoch sind Forschende optimistisch.
"Wir bewerten die Testläufe positiv. Es heißt jetzt, die Dinge auf die Straße zu bringen", sagt Timo Woopen, Leiter Fahrzeugintelligenz und Automatisiertes Fahren von der RWTH Aachen. "Wir müssen versuchen, von kleinen Einzeltestläufen zu einem größerem Regelbetrieb zu kommen. Es gibt schon viele gute Ansätze", sagt er. In fünf bis zehn Jahren werde man mehr von diesen Fahrsystemen auf den Straßen sehen. "Bis wir aber in ein Fahrzeug vor unserer Haustür einsteigen und damit zu einem beliebigen Punkt X fahren, vergehen sicher noch 10 bis 20 Jahre", schränkt er ein.
Ähnlich sieht das Christof Kerkhoff, Geschäftsführer beim Verband deutscher Ingenieure (VDI) für Fahrzeug- und Verkehrstechnik. "Außerhalb der Demonstrationsfelder werden wir die Busse frühestens ab 2040 auf den Straßen sehen", sagt er. So schnell gehe die Entwicklung dann doch nicht von der Hand. "Wir brauchen viele, viele Testkilometer. Die sind das A und O, weil die Systeme da lernen", ergänzt Kerkhoff. "Wir brauchen die Sicherheit, die ein menschlicher Fahrer hinbekommt", dazu benötige man die Fahrkilometer im Realbetrieb.
Das autonome Fahren wird kommen, davon sind alle Forscher überzeugt Christof Kerkhoff, Geschäftsführer beim Verband deutscher Ingenieure (VDI) für Fahrzeug- und Verkehrstechnik
Was sind die Vorteile des autonomen Fahrens?
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Autonome Busse fuhren im Sommer auf Zeche Zollverein
Die Vorteile des autonomen oder vollautomatisierten Fahrens, liegen ja auch auf der Hand: Die Fahrer können die Zeit unterwegs sinnvoller nutzen, als nur das Fahrzeug zu steuern. Vor allem ältere Menschen, die kein eigenes Auto mehr fahren wollen, erhalten eine höhere Teilhabe. Auch der ländliche Raum könnte besser angebunden werden, da autonome Systeme eines Tages günstiger unterwegs sein könnten als die herkömmlichen. Und weil die meisten autonomen Systeme auf Elektromobilität beruhen, besteht eine positive Wirkung auf Umwelt und Klima.
Forscher gehen außerdem davon aus, dass der Verkehr flüssiger fließen könnte, insgesamt weniger Pkw auf den Straßen unterwegs wären und eine erhöhte Sicherheit im Straßenverkehr bestehen könnte, weil die Systeme optimal arbeiteten. Und nicht zuletzt könne dem Fachkräftemangel ein wirkungsvolles Instrument entgegengesetzt werden.
Wo gibt es noch Probleme?
Die Probleme sind tatsächlich noch vielfältig: Die größte Herausforderung ist laut Woopen, "dass wir ein System brauchen, das sicherer ist als der Mensch", wie er es formuliert. Sonst erhalte man keine Zulassung für den Straßenverkehr. "Der Verkehr ist der komplexeste Mobilitätsraum, den wir haben. Fußgänger, die unvermittelt auf die Straße springen, Radfahrer und das Verhalten der anderen Autofahrer, all das muss das System beherrschen", sagt er.
Dann gebe es die technische Ebene. In den USA nehmen die Autos bereits am Verkehr teil. "Aber die Straßen dort sind andere. In Deutschland haben wir viele gewachsene Altstädte. Nehmen wir Aachen, das ist eine alte Stadt mit einem engen Stadtkern, da haben wir ein ganz anderes Straßennetz als ein Raster wie in den USA. Das ist sicherlich eine Herausforderung", so Woopen.
Auch das deutsche Wetter ist tatsächlich ein Problem: "In Kalifornien haben wir zu 99 Prozent Sonnenschein, da ist es einfacher zu fahren als bei Schnee und Nebel", erklärt Woopen. Das sieht auch Kerkhoff so: "Wenn die Sonne tief steht, ist das für die kamerabasierten Systeme ein Problem. Auch ganz banaler Dreck auf der Kamera kann Probleme erzeugen", so der Experte.
Auf der juristischen Ebene sind wir in Deutschland hingegen schon sehr weit. "Unsere Gesetzgebung ist sehr fortschrittlich", sagt Kerkhoff.
Wie geht es jetzt weiter?
Gesetzlich ist die Teilnahme der autonomen Fahrzeuge also schon geregelt. Jetzt gelte es, den Weg Schritt für Schritt weiter zu gehen, sagt Woopen. "Der Weg in die Zukunft ist abgestuft. Wir werden uns von unten an das Maximum annähern. Die Pilotprojekte sind der erste Schritt. Ein Shuttle fährt auf einem festgelegten Bereich, um komplexe Punkte zu vermeiden. Das kann zum Beispiel erstmal bedeuten, auf der Route fährt der Bus immer nur rechtsrum. So vermeide ich gefährliches Linksabbiegen. Und Stück für Stück erweitere ich den Einsatzbereich", erklärt Woopen ein mögliches Vorgehen.
Druck auf die Forschung kommt vor allem von zwei Seiten: Vom ÖPNV und der Logistikbranche. Denn beide Zweige leiden unter massivem Fachkräftemangel. "Dort besteht ein dringender Bedarf. Im ländlichen Raum sind die Takte der Busse ja oft so schlecht, weil das Personal fehlt", so Woopen.
Noch schlimmer sei es in der Logistikbranche. "Da besteht ein massiver Bedarf an Fahrern." Woopen kann sich vorstellen, dass bestimmte Fahrten wie vom Logistikhof zum Verteilzentrum von autonomen Lkw gefahren werden könnten. Selbst Autobahnfahrten seien möglich. "Die sind einfacher als der innerstädtische Verkehr, es gibt eine bauliche Trennung und keinen Gegenverkehr", erläutert Woopen. Auch hier komme die Entwicklung aus den USA, denn dort "ist der Fachkräftemangel noch viel größer". Noch ist das autonome Fahren im realen Straßenverkehr bei uns Zukunftsmusik. Aber an den Anblick dieser Fahrzeuge werden wir uns wohl bald gewöhnen.
Unsere Quellen:
- Gespräch mit Timo Woopen von der RWTH Aachen
- Gespräch mit Christof Kerkhoff vom VDI
- Gespräch mit Rheinbahn Düsseldorf
- Website Bundesamt für Sicherheit und Informationstechnik
- ADAC: Autonomes Fahren - so fahren wir in Zukunft
Über dieses Thema berichtet der WDR am 18.02.2025 unter anderem im Fernsehen, WDR aktuell, 16 Uhr.