Köln beschließt Milliarden-Projekt: Können wir Großbau? Aktuelle Stunde 04.04.2025 16:10 Min. Verfügbar bis 04.04.2027 WDR Von Fritz Sprengart

Köln bekommt neuen U-Bahn-Tunnel: Wie ein solches Großprojekt gelingt

Stand: 04.04.2025, 18:32 Uhr

Köln bekommt einen neuen U-Bahn-Tunnel. Kann dieses Großprojekt gelingen? Ein paar Beispiele, wie es geht - und wie nicht.

Von Peter Hild

Der Stadtrat in Köln hat am Donnerstag die Planung eines neuen U-Bahn-Tunnels quer unter der Innenstadt beschlossen. In der hitzigen Diskussion kritisierten die Tunnel-Gegner unter anderem hohe Baukosten und eine lange Bauzeit für das Großprojekt.

Ist solch ein Projekt für die Stadt überhaupt machbar? Und welche Faktoren müssen berücksichtigt werden, damit ein Großprojekt erfolgreich fertiggestellt werden kann? Das meinen Fachleute dazu.

Gute Vorplanung und Einbindung der Beteiligten wichtig

Ralf Togler von der Kommunalagentur NRW berät regelmäßig Kommunen bei der Planung und Steuerung von Bauprojekten. "Grundsätzlich empfiehlt sich immer eine umfassende Grundlagenermittlung: Was habe ich zu erwarten, liegen womöglich Kampfmittel im Boden, um einen guten Gesamtüberblick zu bekommen", erklärt er.

Zum anderen sollten die Verantwortlichen frühzeitig eine Projektstruktur aufbauen und dabei alle Beteiligten einbinden. "So lassen sich die meisten Eventualitäten und Unwägbarkeiten vorbereiten, wer reagiert wie und wann", betont Togler.

Bauunternehmer: Verwaltungen oft eher Verhinderer

Baunternehmer Joachim Selzer | Bildquelle: WDR

Bauunternehmer Joachim Selzer aus Krefeld, auch im Vorstand des Straßen- und Tiefbauverbandes NRW, kritisiert die Mentalität in vielen Rathäusern zu Bauprojekten. "Oft ist die Bauabwicklung suboptimal, man will oft Baufortschritte eher verhindern als vorantreiben", so Selzers Eindrücke.

Deswegen würden viele Baufirmen nicht für öffentliche Auftraggeber arbeiten wollen. "Nicht selten gibt es Verzögerungen ohne ersichtlichen Grund, Bezahlungen werden hinausgezögert", bemängelt Selzer. Für ein erfolgreiches Projekt braucht es aus seiner Sicht "klare Zielvorgaben", außerdem müssten alle Beteiligten rechtzeitig berücksichtigt und in die Planung einbezogen werden.

Bei diesen Großprojekten lief es gut:

  • Wehrhahnlinie in Düsseldorf

Der Bau eines U-Bahn-Tunnels durch die Innenstadt war Anfang 2016 fast termingerecht fertiggestellt. Die Kosten erhöhten sich im Laufe des Projekts "nur" von 750 auf knapp 900 Millionen Euro. Seitdem gilt das Bauprojekt als ein Paradebeispiel für eine zeit- und kostengerechte Umsetzung.

Der U-Bahn-Bau gilt als Vorzeigeprojekt | Bildquelle: WDR / van Treeck

Ein Erfolgsfaktor: Während des laufenden Genehmigungsverfahrens wurde parallel weiter geplant, so dass man fertig war, als die Genehmigung vorlag. Oft werde das aus Kostengründen aber nicht gemacht, sagt der damalige Projektleiter Gerd Wittkötter. Zudem lag das gesamte Verfahren in einer Hand: Das Amt für Verkehrsmanagement im Düsseldorfer Altstadt hatte alle relevanten Aufgaben gebündelt. So konnten die Verfahren beschleunigt werden.

  • Rheinufertunnel in Düsseldorf

Auch die Untertunnelung des Düsseldorfer Rheinufers wurde termin- und nahezu kostengerecht fertig. Bereits beim Baustart im Frühjahr 1990 hatte der engagierte Bauleiter Erich Waaser den Termin der Fertigstellung Ende 1993 benannt – was auf den Tag genau eingehalten wurde.

Die Nord-Einfahrt des Rheinufertunnels | Bildquelle: Landeshauptstadt Düsseldorf

Der Bau kostete rund 550 Millionen D-Mark, 80 Prozent wurden über Zuschüsse vom Land finanziert. Die Stadt und die beteiligten Ingenieure arbeiteten sehr eng zusammen. Die Projekt hatte eine breite politische Unterstützung im Stadtrat, aber vor allem auch in der damaligen NRW-Landesregierung durch Bauminister Christoph Zöpel – der starke und gemeinsame politische Wille war einer der Erfolgsfaktoren.

Bei diesen Großprojekten lief es schlecht:

  • Sanierung der Kölner Oper
Dauersanierungsfall Kölner Oper | Bildquelle: WDR / Fulvio Zanettini

Die ersten Arbeiten begannen 2012 und sollten nach drei Jahren abgeschlossen sein, bei Kosten von gut 500 Millionen Euro. Die Sanierung dauert immer noch an, mit einer Fertigstellung sei frühestens Ende des Jahres zu rechnen, hieß es zuletzt. Die Kosten haben sich inzwischen auf fast 1,5 Milliarden Euro verdreifacht.

Ein aktueller Bericht des städtischen Rechnungsprüfungsamtes listet einige der Versäumnisse auf: Mehr als 65 Auftragsvergaben an externe Planer wurden nicht ordnungsgemäß durchgeführt, über die Jahre arbeiteten mehr als 150 verschiedene Firmen auf der Baustelle. Das führte zu "massiven Koordinationslücken zwischen den zahlreichen Gewerken". Viele Leistungen mussten außerdem wegen Mängeln wieder zurückgebaut werden.

  • World Conference Center in Bonn

Der Siegerentwurf für das geplante UN-Kongresszentrum im Jahr 2004 sah Kosten um die 80 Millionen Euro vor. Die Eröffnung sollte 2009 erfolgen. Letztlich erfolgte sie dann erst im Jahr 2015 - bei geschätzten Kosten von mehr als 300 Millionen Euro.

Das gläserne World Conference Center in Bonn | Bildquelle: WDR

Mangelhaftes Controlling war hier einer der zentralen Bauzeit- und Kostentreiber. Die Stadt hatte mit einer Art Bürgschaft dafür gesorgt, dass die Sparkasse dem südkoreanischen Investor einen Kredit gewährte, doch der besaß nicht einmal annähernd das nötige Eigenkapital für das Projekt. Mehrere Stadtmitarbeiter sowie der Investor wurden später vor Gericht verurteilt. Erhebliche Bau- und Planungsfehler wurden festgestellt, über mehrere Jahre trieb ein Baustopp die Kosten in die Höhe.

Quellen:

  • WDR-Interview mit Joachim Selzer, Bauunternehmer
  • Kommunalagentur NRW
  • Stadt Köln
  • Gerd Wittkötter, Projektleiter Wehrhahnlinie Düsseldorf

Über dieses Thema berichten wir am 04.04.2025 auch im WDR Fernsehen in der Aktuellen Stunde, 18.45 Uhr.